Haltungsarten



Hat man sich einmal dazu entschlossen, Geflügel zu halten oder zu züchten, so übernimmt man automatisch die Verantwortung dafür, diese Tierart auch entsprechend seinen Bedürfnissen zu halten. Unter Berücksichtigung dieses Aspekts finden wir jedoch die verschiedenen Haltungsformen, die für die unterschiedlichsten Zielsetzungen von Bedeutung sind. Die verschiedenen Ziele der Geflügelhaltung möchte ich in zwei große Gruppen teilen, die sich dann auch in den einzelnen Haltungsformen widerspiegeln. Die Gruppe der reinen Geflügelliebhaber, die einfach nur Gefallen am gefiederten Vieh haben, sich am Balzspeil der Tauben erfreuen, ihre bunte Hühnerschar liebevoll umsorgen und dabei den eigenen Eierbedarf decken und mit der Familie die Glucke mit einer kleinen Kükenschar erleben.  
 Die zweite Gruppe ist die der Rassegeflügelzüchter. Hier werden verschiedene Zuchtziele verfolgt, die dann auch entsprechende Haltungsformen voraussetzen. 
Um diesen Zielen näher zu kommen, muss der Züchter sich im Klaren darüber sein, dass dieses Vorhaben nicht von heute auf morgen erreicht werden kann, sondern es geraume Zeit und auch viel Wissen voraussetzt oder es die eigene Erfahrung mit sich bringt. 
 
Grundsätzlich sei einmal gesagt, dass wir unsere Tiere entsprechend ihrer Gattung, Größe aber auch ihres Verhaltens wegen auch verschieden halten müssen. Das beginnt beim Platzbedarf, beim Gesamtverhalten ebenso wie beim Sozialverhalten und auch der Mentalität der jeweiligen Art. Auch spielt der zur Verfügung stehende Platz und der Kostenfaktor, die der Bau der entsprechenden Auslaufform mitbringt, keine unwesentliche Rolle. 
 
Die wohl häufigste Haltungsart beim Geflügel allgemein ist die Auslaufhaltung. Hier bietet man den Tieren ungehinderten Bewegungsfreiraum und sie können ihren Bedürfnissen nach ihren eigenem Ermessen nachkommen. Dieser Auslauf sollte am besten mit einem stabilen Maschendraht umfriedet sein, der das Eindringen fremder Tiere sowie das Entweichen der eigenen Tiere verhindert. Die Höhe des Zaunes richtet sich hierbei nach der Flugfähig- und –freudigkeit des gehaltenen Geflügels, sollte aber 1,60 Meter nicht unterschreiten. Auch die Maschenweite wählt man am besten mit 4/4 cm. Hält man flugfreudige, leichte Rassen oder gar Zwerghühner, so empfiehlt es sich, den gesamten Lauf mit einem Netz zu überspannen, was zudem auch einen gewissen Schutz vor Raubvögeln bietet. 
Um den Tieren immer frisches Grün bieten zu können, hat man die Möglichkeit, die gesamte zur Verfügung stehende Fläche in mindestens zwei Parzellen als sogenannte Wechselausläufe zu unterteilen. Ist das Gras der einen Auslauffläche kurzgefressen, so dürfen die Tiere in die nächste, aufgewachsene Wiesenfläche und so wechselt man je nach Wuchs die Flächen. Die Grünfläche ist allgemein kurz zu halten, da erstens das junge Grün einen wesentlich höheren Nährwert aufweist und zum anderen altes, zum Teil verholztes Gras schnell zu Kropfverstopfungen führen kann. 
 Auch sollte der Auslauf strukturiert sein, um den Tieren Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen. Dies kann durch dichte Büsche, aufgestellte Platten, Bretterwände oder Mattenrahmen geschehen. 
Sowohl bei Regen wie auch bei starker Hitze wird von den Tieren gerne ein Unterstand aufgesucht. Der Untergrund dieses Unterstandes sollte aus leichtem Sand und Kies bestehen und muss vor starker Verkotung freigehalten werden. 
Hält man Wassergeflügel ist diesen unbedingt in ihrem Auslauf eine entsprechende Bademöglichkeit zu schaffen. Nur selten steht ein Weiher oder ein durch das Grundstück laufender Bach. Daher muss man sich mit einer künstlichen Badegelegenheit helfen. Die Ausführung ist vielfältig und reicht vom Gartenreich aus Plastik bis zu betonierten, mit viel Geschick betonierten Weihern, die oftmals einem Naturweiher sehr nahe kommen. Man muss hierbei allerdings immer berücksichtigen, dass das Wasser stets sauber und relativ frisch ist.

Eine weitere, oft verbreitete Haltungsart für Geflügel, insbesondere bei Hühnern und Zwerghühnern, ist die Volierenhaltung. Bei dieser Art von Haltung grenzt an den Stall unmittelbar eine Voliere. Diese sollte mindestens die doppelte Bodenfläche wie der Stall aufweisen und zu einem Drittel überdacht sein. Für die Einzäunung wählt man am besten einen punktgeschweißten Volierendraht mit einer Maschenweite von ca 10 mm, was ein Eindringen von Vögeln oder anderem Kleingetier unmöglich macht. Den Boden sollte man im überdachten Teil mit einer Tiefstreu aus Stroh- /Heuhäcksel, trockenem Laub und evtl. Torf versehen, das den Tieren bei ihrem Beschäftigungsdrang sehr zugute kommt. Von dann und wann wird ein Eimer frischer Waldbiden gerne angenommen!
Um das Sozialverhalten der Tiere zu unterstützen ist es sinnvoll, die Voliere auch mit verschieden hoch angelegten Sitzgelegenheiten und Ruhebrettern auszustatten. Wer zudem noch die Möglichkeit der vorher beschriebenen Auslaufhaltung hat, sollte hierfür an einer Volierenseite ein entsprechendes Türchen als Durchschlupf bei Bedarf vorsehen. Allgemein ist bei dieser Form der Haltung der zeitliche Aufwand für den Züchter/Halter intensiver, müssen wir doch die Messlatte bezgl. der Hygiene weit höher legen. Auch bei der Fütterung ist darauf zu achten, dass den Tieren all das zur Verfügung steht, was sie bei einer naturnahen Haltung finden.

Eine weiter Form der Geflügelhaltung ist die Boxenhalten, jedoch nur zweckgebunden und befristet Anwendung finden sollte, entspricht sie doch nicht den Grundsätzen der Rassegeflügelzüchter. Um eine Verwechslung mit der Käfighaltung vorzubeugen, betone ich nochmals den Ausdruck Boxenhaltung.
Mancher Züchter möchte unbedingt eine absolute Abstammungskontrolle betreiben, kann aber aus beruflichen zum Beispiel die klassische Fallnestkontrolle nicht durchführen. Um aber trotzdem jedes Ei der entsprechenden Legerin zuordnen zu können, setzt er jedes Zuchttier einzeln in diese mind. 1qm Grundfläche, mit Sitzstange, Legenest und Tiefstreu ausgestattete, helle Box. Hat das Tier sein gelegt, setzt man abwechselnd den Hahn hinzu. Auch bei besonders aggresiven Rassen hat sich dieses System bewährt. Um bei äußerst agilen, lebhaften Rassen Tiere mit unbeschadetem Gefieder ausstellen zu können, wird auch hier gerne die Einzelhaltung, insbesondere bei den Hähnen kurzzeitig angewandt. Oftmals trifft man hier auch schon kleine Volieren mit der Offenfronthaltung an.

Die eben beschriebene Offenfronthaltung bei der Volierenhaltung gewinnt immer mehr Freunde, insbesondere bei der Jungtieraufzucht. Hierbei verzichtet man auf einen direkten Stall und bietet den Tieren eine geräumige Voliere, die zumindest bis zur Hälfte überdacht sein sollte und ebenfalls auf drei Seiten bis zur Hälfte zugfrei umschlossen wird. Im überdachten teil finden sich dann Schlafgelegenheit, Futter und Wasser. Auch ist darauf zu achten, dass man den Boden des überdachten Raumes vor Bodennässe evtl. durch eine erhöhte Schwelle schützt.

In der Taubenhaltung/-zucht finden wir aufgrund der doch sehr hohen Greifvogelpopulation überwiegend die Volierenhaltung. Nur selten treffen wir tauben im Freiflug an, was natürlich jedes Herz eines Taubenfreundes höher schlagen lässt. Im Grunde genommen gelten hier dieselben Regeln wie vorab bereits beschrieben, lediglich kann hierbei auf eine Tiefstreu verzichtet werden. Auch sind in der Voliere Anflug- und Laufbretter und Einzelsitzgelegenheiten den Tauben anzubieten. Auch die beschriebene Offenfronthaltung bei der Jungtaubenaufzucht wird immer stärker favorisiert. 
 
Allgemein sei zur Volierenhaltung gesagt, dass sie bei richtiger Gestaltung und Anwendung mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringt, denkt man nur an einen gezielten Futtereinsatz speziell für die entsprechende Wachstumsphase oder des Ernährungszustandes. Auch die beschriebene Boxenhaltung findet oft in der Zeit der Anpaarung Gebrauch. Bei besonders temperamentvollen Rassen kann hierdurch auch eine unerwünschte Fremdbefruchtung ausgeschaltet werden. 
 
 
Beim Bau oder dem Anlegen „seiner Zuchtanlage“ sollte man aufgrund der allgemeinen Seuchenlage den Maßnahmenkatalog des Verbandes Bayerischer Rassegeflügelzüchter für den Fall einer angeordneten Stallplicht studieren und evtl. berücksichtigen, zumindest sich dahingehend orientieren, dass man kurzfristig und ohne großen Aufwand und finanziellen Mitteln seinen Tieren ein entsprechendes Umfeld bieten kann.